Von Hexen, Waldgeistern und schwarzen Löchern – eine Wanderung zum Gorg Negre

Zwei Frauen allein in Barcelona. Knapp 3 Tage lang. Und was denkt ihr, was wir so gemacht haben? Shoppen? Neee…. Am Strand liegen? Ein bisschen vielleicht… Aber an sich hatten wir viel bessere Pläne: direkt an unserem ersten Tag in der spanischen Metropole, haben wir uns in den Zug gesetzt und sind hinaus in die Natur gefahren. Dort haben wir uns mit Nicole von Freibeuter Reisen und unserem spanischen Guide Marc getroffen. Und zwar zum Wandern! Jawoll! 🙂

Als wir morgens unser Hostel verlassen, wissen wir bereits: die Wetteraussichten für diesen Tag sind denkbar ungünstig für eine Wanderung. Die ersten grauen Wolken sammeln sich am Himmel. Gewitter ist angesagt. Auf den Straßen von Barcelona riecht es noch nach frischem Regen, der in der Nacht gefallen ist. Wir beschließen diese Tatsachen einfach zu ignorieren und freuen uns über jegliches Fleckchen blauen Himmels, welches immer mal wieder zwischen den Wolken hindurch schimmert.

Bahnhof CardedeuAm Bahnhof von Cardedeu treffen wir uns mit Nicole und Marc. Schon kurz darauf, fahren wir mit dem Geländewagen hinein in den Montseny Nationalpark und hinauf auf ca. 1.500/ 1.600 Höhenmeter zum Startpunkt unserer Wanderung. Die höchste Erhebung des Montseny Gebirges ist der Turó de l’Home mit 1.706 Metern. Doch dieser Gipfel ist nicht unser Ziel (wäre zugegebenermaßen auch ein wenig lächerlich, euch 100 Höhenmeter Unterschied als große Wanderung zu verkaufen 😉 ). Zur Abwechslung starten wir an diesem Tag zunächst mit dem Abstieg. Unser Ziel ist der Gorg Negre – das schwarze Loch – ein kleiner versteckter See mitten im Gebirge.

Noch scheint es das Wetter gut mit uns zu meinen, als wir auf dem verlassenen Waldweg entlang spazieren. Die Sonne glitzert über dem zweitgrößten Stausee von Santa Fe, welcher als Wasserkraftwerk genutzt wird.

StauseeVorbei an plätschernden Bachläufen wandern wir gemütlich hinab, immer weiter ins Gebirge hinein. Der Waldweg ist verlassen. Die Wanderwege des Montseny Gebirges sind bei den Spaniern als Ausflugsziel am Wochenende beliebt. Auch wir genießen die Ruhe der Natur. Wandern hat schon etwas Meditatives.

Zwischendrin entdecken wir allerlei Sachen – auf der Suche nach leckeren Pilzen, kriechen vor uns dicke fette Nacktschnecken über den Weg. Wir kosten von stacheligen Wildkirschen – und das obwohl uns Marc eindeutig davon abrät, schließlich wären diese noch gar nicht reif. Wir haben sie dennoch für essebar befunden.

WildkirscheAm ersten Aussichtspunkt angekommen, bereue ich dass wir nicht bereits auf der Autofahrt zum Startpunkt einen Fotostopp an einem der Panorama-Punkte eingelegt haben. Wolken kriechen den Berg hinauf und versperren die Sicht. Dort wo Wanderer an schönen Tagen bis zu den Balearen gucken können, sehen wir vor allem: Nebel. Grau. Wolken.

Fehlende AussichtNach einer guten Stunde entspannten Laufens, erreichen wir ein kleines E-Werk. Spätestens ab diesem Punkt bin ich doppelt froh, dass wir Marc dabei haben – ohne ihn hätten wir kaum eine Chance den weiteren Weg zum Gorg Negre zu finden. Zwischen Brombeergestrüpp und dichtem Wald schlängelt sich ein kleiner Weg hinab. Auf rutschigen Felsen meistern wir die letzten Meter, bis wir schon bald an unserem Ziel ankommen. Ein Kreuz am Rande der Schlucht markiert die Stelle, an der wir hinab zum Gorg Negre schauen können. Unter einem kleinen Wasserfall sammelt sich das Wasser in einem dunklen Gebirgssee, bevor es als kleiner Bachlauf weiter hinab ins Tal plätschert.

Gorg NegreWir blicken hinunter in das schwarze Loch. Von hier aus könne man auch direkt hinab in den See springen, erklärt uns Marc. Bei dem Anblick der ca. 6 (und gefühlten 15) Höhenmeter unter uns, lehnen wir allerdings dankend ab.

Gorg NegreUnten am See angekommen, schnappen wir uns dafür die Bikinis und verschwinden im kühlen Nass. Wobei kühl noch untertrieben ist. Ich alte Frostbeule habe es etwa 2 Minuten im Wasser ausgehalten, um euch an diesen Fotos zeigen zu können, dass ich a) im Wasser war und b) es sowas von kalt war…. bevor ich direkt wieder raus gegangen bin und mich in mein Handtuch gekuschelt hab.

brrr kaltÜbrigens war der See an manchen Stellen so flach, dass ich zu dem Tipp mit dem Klippenspringen nur sagen kann: Springen sollte hier nur, wer genau weiß, WOHIN er auch springen kann. Ansonsten droht buchstäblich Hals- und Beinbruch.

Nach einer kleine Mittagspause mit spanischen Sandwiches, machten wir uns dann auf den Rückweg. Zwei Stunden Wanderung bergauf lagen nun vor uns. Der Weg hinauf zum Auto dauert gefühlte Ewigkeiten. Immer wenn wir laut mutmaßten, wir hätten zumindest schon die Hälfte hinter uns, lachte Marc nur herzhaft – der wusste ja auch, was noch vor uns lag.

AusblickDafür erzählte er uns von den Sagen und Legenden, die sich um das Tal ranken. Die zwei Kreuze am Rande der Schlucht sollen die bösen Hexen vertreiben, die am Gorg Negre ihr Unwesen trieben. Die Bewohner des Gebirges glaubten an allerlei Fabelwesen, die hier in den Wäldern hausen sollten.

KreuzeWährend wir uns langsam den Weg hinauf kämpfen, wabert der Nebel zwischen den Bäumen hindurch. Je höher wir kommen, desto weniger können wir eigentlich sehen. Über uns formieren sich die Regenwolken. Wir können buchstäblich riechen wie sich das Gewitter zusammen braut.

Montseny Weg im NebelIn dieser Zauberwelt ist es leicht für uns Fabelwesen zu erfinden und uns Geschichten auszudenken. Dies lenkt glücklicherweise auch ein wenig vom Aufstieg ab. Ob wohl Riesen diese enorm großen Felsbrocken in die Wälder getragen haben?

Felsen im WaldNach etwa 3,5 Stunden kommen wir erschöpft, aber glücklich wieder am Auto an. Eine schöne Aussicht über die Küste werden wir an diesem Tag nicht mehr haben. Das Montseny Gebirge ist komplett in den Wolken verschwunden. Kaum haben wir das Hostel wieder erreicht, tobt in Barcelona ein heftiges Gewitter. Ob wir wohl die Gebirgsgeister verärgert haben, als wir einfach so sorglos im Gorg Negre plantschten? Wir werden es wohl nie erfahren…

Montseny Baum im NebelVielen Dank an Nicole von Freibeuter Reisen, dass du uns an Marc vermittelt hast und als Dolmetscherin und treue Wanderbegleitung dabei warst.

Den Wanderbericht von Nicole findet ihr hier. Wenn ihr Interesse habt auch eine solche Wanderung mitzumachen, dann schreibt mir einfach – ich stelle gern den Kontakt zu Nicole und Marc her.

Karina

Karina

Karina ist 30 Jahre alt und lebt in Leipzig.
Tauchen, Reisen und Bloggen sind ihre großen Leidenschaften. Wann immer es möglich ist, erkundet sie die Welt und berichtet auf Zauberhaftes Anderswo von ihren zahlreichen Erlebnissen.
Karina

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