Über das Glück beim Wandern

“Macht wandern glücklich?”
Diese Frage wurde kürzlich vom Reisemagazin Wellness-Bummler in einer Blogparade aufgeworfen.
Nun ja. Diese Frage sollte man mir vermutlich nicht gerade stellen, wenn ich mich mal wieder völlig außer Puste und pumpend wie ein kleiner Maikaifer einen Berg nach oben schleppe. Obwohl… vermutlich würde ich selbst dann, mit verschwitztem Körper und einer Gesichtsfarbe, die einer Tomate sehr nah kommt, ein Lächeln zu Stande bringen und schwören, dass es ganz toll ist. Sobald ich wieder normal Luft holen kann, versteht sich.

Brücke im WaldAber wieso ist das so? Wieso macht mich diese Beschäftigung so glücklich?
Für mich beginnt das Glück des Wanderns immer schon in dem Moment, in welchem ich meinen Rucksack schultere, die Autotür hinter mir zuschlage und mich mit einer Karte in der Hand auf neue Wege begebe. Immer wieder fühlt es sich toll an die Zivilisation quasi hinter sich zu lassen und in die Welt des Waldes einzutauchen.

HohnsteinDas beginnt beim frischen Duft, den ein Wald ausströmt, geht weiter über das Knirschen des Waldweges unter meinen Füßen und hört auch nicht beim fröhlichen Zwitschern der Vögel auf. Wenn ich mich auf eine Wanderung begebe, werden mal wieder all meine Sinne aktiviert, die im Alltag oft zu kurz kommen.

WaldwegAber was macht den Reiz des Wanderns noch aus? Meine Antwort lautet: Mein Entdeckungssinn wird wieder geweckt.
Mit einem Fotoapparat in der Hand bin ich immer auf der Suche nach dem nächsten tollen Motiv. Da gucke ich mir auch gern mal ein paar Ecken abseits des eigentlichen Weges an und entdecke hier und da wunderschöne kleine Oasen der Ruhe. Wie zum Beispiel die Gautschgrotte auf meinem Weg durch die sächsische Schweiz. Gautsch GrotteEs ist recht schwierig die Faszination dieses ruhigen Ortes in einem Foto einzufangen. Auch mein sehr wackeliges Handyvideo kann die Stimmung dieses Ortes nicht so wiedergeben, wie ich mir das wünschen würde. Aber es gibt einen Eindruck davon, wie es sich anfühlt, ganz allein in dieser kleinen Oase im Wald zu stehen, und dem Plätschern des Wassers und dem Zwitschern der Vögel zu lauschen.

https://www.youtube.com/watch?v=sBG9RSwb48Q

Aber sind wir mal ehrlich, nicht jeder Moment des Wanderns ist toll. Wenn ich beispielsweise nach 4 von 20 Kilometern merke, dass sich an meinen Füßen die ersten reibenden Stellen und Blasen bilden, dann kann ich nicht wirklich von Glück sprechen. Auch nicht, wenn mein Knie mir deutlich zu verstehen gibt, dass es solche langen Strecken schon längst nicht mehr gewohnt ist. Und erst recht nicht, wenn die Muskeln in den Beinen vor Anstrengung brennen und ich mich mal wieder frage, ob ich mich nicht doch ein wenig übernommen habe, mit so einer langen Strecke.
Spätestens jedoch wenn ich es wieder den Berg hinauf geschafft habe und mit einem dieser atemberaubenden Panoramen belohnt werde, weiß ich wieder, weshalb ich den ganzen Weg auf mich genommen habe.

Brandaussicht Dieses Gefühl von Freiheit, wenn man nach einer anstrengenden Wandertour auf dem Berggipfel steht, die Arme ausbreitet und den Wind im Gesicht fühlt. In diesem Moment weiß man einfach, dass sich jeder Schweißtropfen auf dem Weg nach oben gelohnt hat.Brandaussicht IIWas mich am Wandern außerdem glücklich macht, ist das Alleinsein.
Ja, ich wandere allein. Und zwar am liebsten auf Strecken, auf denen ich weit und breit keinem anderen Menschen begegne. Für viele meiner Freunde ist die Vorstellung mal eben 20km allein durch den Wald zu wandern recht befremdlich. Für mich bedeutet diese Zeit vor allem eins: Entspannung.

In einem sehr lesenwerten Artikel der Zeit ist mir ein schönes Statement über den Weg gelaufen: “Wandern bedeutet, einen Schritt vor den anderen zu setzen, dann noch mal, dann noch mal und dann noch mal. Stundenlang. Es ist gar nicht so leicht das auszuhalten. Die Stille des Bergs macht uns nervös. Wir sind an die Flut immer neuer Reize gewöhnt. Bleiben diese aus, werden wir unruhig.“

Blogparade WandernIn der Stille der Natur kann ich “runter kommen”. Abschalten von einer Welt, in der ich bombardiert werde mit Informationen und Reizen. Ich lerne wieder meine Sinne zu benutzen: den Geruch des Waldes genauso bewusst wahrzunehmen wie das Geräusch meines Atems. Und wenn ich erschöpft nach einer Wanderung ankomme und mir die Füße und Beine vom Laufen weh tun und der Rücken vom Tragen des Rucksacks verspannt ist, dann spüre ich auch meinen Körper, der im Alltag allzu oft im Bürostuhl versauert.

Macht wandern glücklich? Ja. Eindeutig ja.

Mich, auf jeden Fall.

IMG_7821 KopieDie Bilder in diesem Artikel sind übrigens von meiner Wanderung durch die sächsische Schweiz. “Zauberpfade” ist der Titel der 11km langen Strecke von Hohnstein zur Brandaussicht, die ich nur empfehlen kann.

Karina

Karina

Karina ist 30 Jahre alt und lebt in Leipzig.
Tauchen, Reisen und Bloggen sind ihre großen Leidenschaften. Wann immer es möglich ist, erkundet sie die Welt und berichtet auf Zauberhaftes Anderswo von ihren zahlreichen Erlebnissen.
Karina

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