Tauchen in Deutschland: Der Steinbruchsee bei Pretzien

Tauchen in den wunderbaren tropischen Tauchgebieten von Mexiko und Bali ist einzigartig. Aber… die harte Realität ist nun mal: ich habe nicht ewig Urlaub. Und da ich auch zu Hause nicht aufs Tauchen verzichten will, heißt es hier des Öfteren für mich: Zähne zusammenbeißen, ab in den dicken Neonprenanzug und dann tapfer in den (schweine)kalten See. Glücklicherweise hat auch Deutschland einige sehr schöne und sehenswerte Tauchreviere zu bieten. Heute möchte ich euch daher nach Sachsen-Anhalt entführen – an den Steinbruchsee von Pretzien, in der Nähe von Magdeburg.

Der Steinbruchsee ist einer von vielen ehemaligen Quarzitsteinbrüchen in der Region Gommern. Er besteht aus den drei einzelnen Seen Steinbruch See, Blauer See und Tiefer See – die durch den gestiegenen Wasserstand heute zu einem großen See zusammen gewachsen sind. Hier eine kleine Karte:

Karte Steinbruchsee PretzienÜber einen recht holprigen Weg geht’s von Pretzien aus zur Tauchbasis. Hier gibt es so ziemlich alles was ein Taucher so braucht: Plätze zum Sachen ablegen und bequemen Anrödeln (für alle Nicht-Taucher – das sagt man so zum Anziehen der ganzen Tauchsachen), eine kleine Terrasse auf der’s Snacks und Kaffee gibt und ein kleiner Tauchladen in dem’s alles zu kaufen oder auszuleihen gibt, was man als Taucher so benötigt.

Einstieg PretzienBei unserem ersten Tauchgang haben wir eine Runde durch alle drei Seen gedreht. Von der Basis aus geht’s über eine Treppe direkt in den Steinbruchsee. Einmal abgetaucht, haben wir uns dann links gehalten, bis wir zur kleinen Verbindung zum Tiefen See gelangt sind. Von hier aus geht’s wieder links durch den wunderschönen Unterwasserwald. Von dort gibt es dann eine flache Verbindung zum Blauen See, wo man dann am Badestrand wieder aus dem Wasser kommt. Diese Tour dauert gemütliche 40 Minuten.

Unterwasserwald Unterwasserwald PretzienZu sehen gibt es allerhand: alte Schilder, von der Zeit in der der Wasserstand noch deutlich tiefer war. Einen einzigartig schönen und beeindruckenden Unterwasserwald im Tiefen See und zahlreiche Steilwände des ehemaligen Steinbruchs.

Schild Steinbruchsee Pretzien Steilwand PretzienAber, soll ich euch mal was sagen? Also jetzt mal so ganz ehrlich hier unter uns? Der erste Tauchgang im See nach so einer schönen langen Zeit im Ozean ist doch echt sch***, oder? Da kann der See noch so schön sein, die Sonne noch so toll strahlen, es gibt so blöde fiesen Gemeinheiten, die einem das entspannte Tauchen erstmal verhageln:

Der doofe Anzug bringt einen schon zum Schwitzen bzw. Zerfließen, bevor man auch nur ansatzweise im Wasser ist. Die Kopfhaube ist a) zu eng und b) hört man darunter aIch mit komplettem Equipmentuf einmal NIX mehr, höchstens ganz gedämpft. Mein größter Feind: doofe Handschuhe. *grummel* Erst gehen die Dinger ewig nicht an, dann fühlt es sich an als würde man plötzlich mit Mega-Wurst-Fingern versuchen die Kamera zu bedienen. Und bis hierhin hab ich noch gar nichts zu den Wassertemperaturen gesagt: Pfui sind 10 °C kalt. Nein. Ich möchte nicht wissen, wie kalt es auf 10m wirklich war. Mein Gesicht sagte schweinekalt – das reicht als Temperaturangabe. Auf jeden Fall war’s so kalt, dass weder die Option „Kopfhaube ab“, noch die Option „dann halt ohne die blöden Handschuh“ wirklich in Betracht kamen.
So. Das musste ich jetzt mal loswerden.

Aber die gute Nachricht ist: der Mensch ist ein Gewohnheitstier – ab dem zweiten Tauchgang wird’s langsam besser. 😉

Beim zweiten Tauchgang haben wir uns für einen Rundtauchgang durch den Steinbruch See entschieden. Also die Treppe an der Tauchbasis runter und dann immer schön rechts halten. Hier konnten wir dann alte Reste aus der Abbauzeit entdecken: eine lange Treppe, Rohre, Loren – sogar ein Fahrrad und ein Motorrad sind im See versenkt (die waren uns allerdings auf Grund der Wassertemperaturen ab 10m ein wenig zu tief).

Rad einer alten Lore Treppe unter WasserWeiter entlang der Steilwände entdeckten wir dann noch eine Werkbank mit kreischend gelbem Schraubstock. Und wenn dann so langsam über Wasser die Sonne untergeht, hat man außerdem ein sehr schönes Spiel der Sonnenstrahlen unter Wasser…

Werkbank Stuhl unter WasserDas einzige, was wir vergeblich gesucht haben, sind Fische. Das Wasser des Steinbruch Sees ist recht sauer, weshalb es natürlicherweise keine Fische gibt. Es wurden wohl mal Störe in den See gesetzt. Die haben sich bei uns aber nicht blicken lassen.

Baumstamm im LichtMein Fazit für die Steinbruchseen in Pretzien: absolut sehenswert. Schöne Seen mit einer tollen klaren Sicht und vor allem viele Dinge, die man unter Wasser entdecken kann.

Kurzfakten
Tauchbasis:          Tauchsportcenter Wassermann
Tagesgebühr:       9 €
Flaschenfüllung:  0,50 € pro Liter
Sicht:                     ca. 7m

Eine Frage an alle lieben mutigen Mit-Taucher in Deutschland: was ist euer liebster See? Wo sollte ich vielleicht das nächste Mal zum Tauchen hinfahren?

 

Karina

Karina

Karina ist 30 Jahre alt und lebt in Leipzig.
Tauchen, Reisen und Bloggen sind ihre großen Leidenschaften. Wann immer es möglich ist, erkundet sie die Welt und berichtet auf Zauberhaftes Anderswo von ihren zahlreichen Erlebnissen.
Karina

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