Tauchen auf Fuerteventura – Schlechte Erfahrungen gehören dazu

Nach zwei Tagen Surfkurs auf Fuerteventura, in denen ich in allen erdenklichen Variationen mehr oder weniger elegant vom Board gefallen bin, habe ich mich total aufs Tauchen gefreut. Mit dem Gedanken “Jetzt zwei Tage mal zur Abwechslung etwas machen, was ich schon kann” bin ich frohen Mutes zur Tauchbasis aufgebrochen und hab mich auf die Unterwasserwelt gefreut. Und dann kam mal wieder alles anders…

Tauchgang 1: Caséron

Das Anrödeln und Briefing im Tauchladen verlief ganz gut. Der Basisleiter war ein wenig grummelig drauf, ich hab mir dabei aber zunächst nichts weiter gedacht. Der Tag war schließlich noch jung, da kann ja noch nicht jeder in Sunny-Shiny-Happy-Stimmung sein.

Mit 4 Tauchern und einem Guide ging’s aufs Schlauchboot. Einer hatte Tag 5 seines OWD Kurses, ein deutscher Taucher mit etwas mehr Erfahrung wurde mit als Buddy zugeteilt (für mich war das mein erster Tauchgang ohne den Buddy, mit dem ich bisher immer getaucht war), die andere Taucherin hat in dieser Basis gerade ihren AOWD gemacht.

Ich sag dir eins: Schlauchboot fahren vor der Küste Fuerteventuras, bei diesen Wellen… dafür ist nicht jeder Magen gemacht. Das ging der anderen Taucherin leider auch so, die bereits ziemlich grün im Gesicht war, als wir am Tauchplatz ankamen. Es hieß also schnell Anker legen und da auch mir langsam mulmig wurde, half mir der Guide meine Sachen anzuziehen, mir die Bleitaschen ins Jacket zu stecken, um dann rasch vom Boot zu hüpfen.

20150520_171600 KopieKurz später hieß es “Abtauchen”, aber irgendwie… ging das bei mir nicht. Ich hab mich entspannt, Luft aus dem Jacket gelassen, schön ausgeatmet… und trotzdem blieb ich an der Oberfläche. Und da war ich dann – während von den anderen 4 Tauchern schon nichts mehr zu sehen war – mitten auf dem Ozean bei meterhohen Wellen. Als ich dann irgendwann dem Käpt’n des Bootes sagte, dass ich das Ganze dann gern abbrechen und zurück aufs Boot wollen würde, war die Antwort: “Na was soll denn das jetzt junge Dame? Abtauchen war angesagt. Entspann dich mal, guck ins Wasser und dann tauchste den anderen hinterher.” Irgendwann habe ich gnädigerweise eine Leine ins Wasser bekommen, an der ich mich festhalten durfte und hab dem Herren auf dem Boot wenigstens schon mal meine Kamera in die Hand gedrückt – die war mir zu dem Zeitpunkt auch nur noch im Weg.

Ein paar Minuten später kam dann der Tauchguide wieder an die Oberfläche. In seiner Hand: eine meiner Bleitaschen, die mir wohl schon beim Sprung vom Boot aus dem Jacket gerutscht sein muss, ohne dass ich das gemerkt hatte. Danach klappte das Abtauchen perfekt.

Der Tauchgang war für mich an der Stelle allerdings bereits schon ziemlich gelaufen. Mir war kalt (17°C Wassertemperatur, 6mm Anzug mit Kopfhaube). Mein Buddy schwamm irgendwo, aber nicht bei mir. Und irgendwann verkrümelte sich auch noch der Guide mit seinen zwei Schülern und hat uns zwei anderen nur angedeutet, dass wir noch ne Weile so übers “Riff” schwimmen sollen.

Das “Riff” war dann auch eher blanker Stein, mit ein paar wenigen Fischen dazwischen. Das Highlight dieses Tauchgangs war, dass wir tatsächlich einen der berühmten Angel Sharks gesehen haben. Das war dann aber auch schon alles. Ziemlich ernüchtert und vor Kälte zitternd bin ich nach diesem Tauchgang wieder aufs Boot geklettert und habe beschlossen, dass ich den zweiten Tauchgang an diesem Tag (den ich eigentlich geplant hatte) absagen werde. Tauchgang 1 hatte mir die Lust darauf echt vermiest.

Tiefe: 18m
Strömung: keine
Sicht: 10m

Tauchgang 2: Anclas

Neuer Tag, neues Glück. Nach dem ersten Tauchgang hatte ich überlegt, die Tauchbasis zu wechseln, da ich aber nur zwei Tage Zeit zum Tauchen hatte, war mir das zu umständlich. Mit dem blöden Gefühl des vorangegangen Tages, wollte ich das Tauchen auf Fuerteventura aber auch nicht beenden. Also habe ich mich tapfer wieder auf den Weg zur Tauchbasis gemacht.

Begrüßt wurde ich genauso mufflig, wie am vorangegangenen Tag. Wenigstens hatte ich an diesem Tag einen anderen (und weiblichen) Tauchguide. Der habe ich dann auch erzählt, dass ich den Tauchgang am Vortag sehr kurios fand und dass ich mich auf der Basis nicht so wirklich wohl fühle. Die Reaktion? “Schlechte Erfahrungen gehören halt dazu!”. Ich gebe zu: mit dieser Antwort hatte ich irgendwie nicht gerechnet.

Aufs Schlauchboot ging es mit den beiden Tauchschülern vom Vortag. Ich sollte mich an den Tauchguide als Buddy halten. Das Abtauchen lief dieses Mal natürlich problemlos und der Tauchgang an sich war okay. Wir haben zumindest einiges gesehen.

Eine große Muräne zum Beispiel…

Muräne II…einen Grouper in der Ferne…

Grouper…und dicke Spanish Lobster:

Tauchen FuerteventuraAn einer Stelle mussten wir die Tauchgangsplanung allerdings ändern. Eigentlich heißt der Tauchplatz “Anclas” weil er zu zwei alten Ankern führt. Die Sicht wurde aber leider so schlecht, dass wir dann doch umgedreht sind und die Unterwasserlandschaft in der anderen Richtung noch ein wenig weiter erkundet haben. Begleitet wurden wir die ganze Zeit von neugierigen kleinen Fischen.

Minifische IIKurz vorm Auftauchen haben wir dann noch ein paar Nudi Branches entdeckt. Alles in allem hatten wir also schon mal mehr gesehen als am Vortag. Nachdem mir aber alle so begeistert vom Tauchen im Atlantik erzählt hatten, war ich trotzdem ein wenig enttäuscht.

Nudi BranchesAber der Tauchgang war noch lang nicht vorbei. Beim Auftauchen sollte die Taucherin, die den AOWD Kurs machte, eine Übung machen, bei der sie aus einer Flasche, die auf 5m hing atmen sollte. Durch einen unglücklichen Zufall hat es ihr dabei allerdings den Atemregler aus dem Mund geschlagen – allerdings hatte sie das Mundstück des Reglers noch im Mund. Es kam also wie es kommen musste: sie hat so schnell gar nicht bemerkt was passiert war… und einen riesigen Schluck Wasser eingeatmet. Als Taucher mit wenig Erfahrung hat sie entsprechend Panik bekommen, gedacht, dass sie ertrinkt, wollte direkt an die Oberfläche… sagen wir mal: es war recht dramatisch und wir waren alle froh, wieder heile an der Oberfläche angekommen zu sein.

Die Reaktion des Tauchguides und auch des Basisleiters, als wir dann wieder im Tauchladen angekommen sind, war unisono gleich und hat mich dann doch auch nochmal fassungslos gemacht: “Hahaha… unglaublich… wie haste das denn gemacht. Haha…. hab ich ja noch nie gehört.”
Joa… schlechte Erfahrungen gehören halt dazu. Schulter zucken. Fertig war’s.

Es wird dich vermutlich nicht erstaunen zu hören, dass ich mir auch an diesem Tag den zweiten Tauchgang auf Fuerteventura geschenkt hab. Das hat mir dann echt gereicht.

Tiefe: 24m
Strömung: gering
Sicht: 7m

Mein Fazit zum Tauchen auf Fuerteventura

Ich habe mich auf dem Rückflug mit einem Taucher unterhalten, der bei Jandia Divers auf Fuerteventura getaucht ist und total begeistert war. Er hat mir super schöne Bilder gezeigt von riesigen Fischschwärmen und tollen Tieren – genau so, wie ich mir das erhofft hatte. Übrigens haben die dort wohl auch Anzüge von 7-9mm. Da friert man auch nicht so schnell… was ja für uns weibliche Taucher nicht ganz unwichtig ist.

Ich habe mit meiner Tauchbasis Punta Amanay (deutsch-belgische Leitung) einfach irgendwie einen echten Fehlgriff gelandet. Nicht nur, dass die Leute dort unfreundlich waren – auch die Tauchplätze waren längst nicht das, was wir dort hätten sehen können.

Dem Tauchen im Atlantik gebe ich mit Sicherheit nochmal ne Chance. Für diese Tauchbasis fällt mir einfach nur ein: keine Empfehlung. Erst recht nicht für Anfänger. Eine Tauchbasis, die offensichtlich kein Problem damit hat, dass man bei ihr halt seine schlechten Taucherfahrungen macht, ist mir echt noch nie untergekommen.

Wo auch immer ich das nächste Mal abtauchen werde: es kann ja glücklicherweise nur noch besser werden.

Fischschwarm

Karina

Karina

Karina ist 30 Jahre alt und lebt in Leipzig.
Tauchen, Reisen und Bloggen sind ihre großen Leidenschaften. Wann immer es möglich ist, erkundet sie die Welt und berichtet auf Zauberhaftes Anderswo von ihren zahlreichen Erlebnissen.
Karina

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