Ab in den Schnee: Snowboarden in Österreich

Heidi ist in diesem Gastbeitrag im Schnee unterwegs. Finde heraus, was sie erlebt hat.

Ich habe eine Woche Moin! im Flachland gegen Griaß di! und Pfiat di! in den Bergen getauscht. 🙂 Auf ging es zum Skifahren und Snowboarden nach Österreich.

Genauer gesagt war das Ziel das beschauliche Dienten am Hochkönig im Salzburger Land, nahe Zell am See. Dienten, im lokalen Dialekt wird es eher wie „Dearntn“ ausgesprochen, hat rund 800 Einwohner. Du möchtest eine hammermäßige Aprés-Ski Hütten-Gaudi? Dann fahr nicht nach Dienten. Da ich mit 15 Freunden dort war, hatten wir auch so sehr viel Spaß, aber es ist eben keine Party-Hochburg.

dienten-dorf

Rund zwei Wochen vor dem Urlaub habe ich die Schneefallprognose ausführlich geprüft, eine Woche vorher kam dann nochmal ordentlich Schnee. Gute Voraussetzungen zum Skifahren und Snowboarden.

Ski und Snowboard – für manch einen keine Wörter die in einem Satz auftauchen dürfen, die Abneigung beider Gruppen ist zu groß. Ich habe beides ausprobiert. Als Wakeboarderin und Kiterin sind zwei Füße zusammen auf einem Brett für mich ganz normal. Aber wie sieht die andere Seite aus? Verdreh ich mir die Knie oder die Füße?

Vor dem Urlaub war ich im Snowdome. Dort habe ich mir die Skier angeschnallt, Tipps geben lassen und bin losgefahren – so einfach war es und so habe ich mich in Sicherheit gewähnt. Damn, falsch gedacht.

Ich wollte gleich alles richtig machen und ordentlich dynamisch fahren, die Bewegungen korrekt ausführen. Der Dank meiner Muskeln war, dass sie sich angefühlt haben wie mit Nadeln gespickt, meine Oberschenkel haben gebrannt. Erster Fehler: ich habe nicht zuerst den Babylift gewählt, sondern gleich hoch zur blauen Piste auf der Wastlhöhe an der Bürglalm. Und zweitens, ehrlich, vor dem nächsten Skiurlaub besuche ich das Fitness-Studio doch nicht nur zwei Wochen vorher.

Zu Mittag des ersten Skifahr-Tages fand ich mich im Emotionschaos wieder und wollte den Berg nur noch runter. Meine Füße haben in den Ski-Schuhen auch noch erbärmlich weh getan, überall drückte es. Der Weg hinunter führt über die Bürglalmabfahrt . Entweder über eine relativ steile rote Piste (Foto) oder über einen langen und naturgemäß schmalen Skiweg, eine blaue Piste. Das untere Stück musste man zwar dennoch die rote Piste hinunter, aber wie auf dem Bild zu sehen ist sie im unteren Bereich angenehmer zu fahren als ganz oben. Dauerhaft bremsend und mit schmerzverzehrtem Gesicht bin ich den Skiweg runter gefahren. Fazit: Füße nicht verdreht, aber ich war kaputt, für heute war Schluss.

bürglabfahrt-dienten

Nach diesem ersten Tag Skifahren habe ich mich wieder für das Brett entschieden. Damit kenne ich mich aus und bin nicht so verkrampft unterwegs. Noch ein wenig lediert vom ersten Tag haben ich und zwei Freunde zunächst den Babylift unsicher gemacht. Die zwei hatten das gleiche schmerzhafte Problem, nur eben mit dem Snowboard. Wir wollten es für den Rest der Zeit entspannter angehen lassen, schließlich befanden wir uns im Urlaub und nicht im Marathon um Millonen. 😉

heidi-snowboard-dienten

Mir fällt das Snowboarden doch leichter und es verlief ohne weitere Krämpfe oder großartige Schmerzen. Und sollte ich je nochmal wieder Skifahren, dann wird es ein Privat-Kurs werden, um es von der Pike auf zu lernen und Enttäuschungen zu vermeiden.

Mit dem Snowboard habe ich so einige Pisten abgefahren und sogar Walzer tanzen können. 😀

walzer-snowboard

Das Wetter hingegen war, wie in der Vorhersage, enttäuscht war ich davon also nicht. Die Wettervorhersage für die Woche war in Ordnung, teils Schnee, Wolken und zwei herrliche Sonnentage. Sonne pur wäre schöner gewesen, aber dafür war es eben erst Mitte Februar. Auf dem Fernseh-Kanal 206 haben wir jeden Morgen die aktuellen Webcam-Aufnahmen gesehen. Das kann ich dir empfehlen, um zu sehen welchen Lift du von Dienten für den Start in den Tag wählen solltest. Auf die zwei vorausgesagten Sonnentage habe ich sehr hingefiebert. Denn wer möchte schon gern im Nebel fahren? Die Sicht im Nebel und inmitten von Wolken ist naturgemäß sehr begrenzt.  Die Suche nach dem Weg ist anstrengend. Mir hat das sehr viel Kraft und Konzentration geraubt. Auf dem Foto sind es nur Wolken und Schnee, bei morgendlichem Nebel war die Sicht schlechter.

schneegestöber

Was entschädigt einen, wenn es mal nicht so gut läuft? Die atemberaubenden Blicke, die die Berge einem gewähren. Wer kommt da nicht ins Schwärmen?

panorama

Diesen beruhigenden Blick habe ich von der Steinbockalm werfen können – vom Gabühel in 1634 m Höhe. Es war ein wunderschön beruhigendes Gefühl zum Durchatmen und Kraft tanken, als die Sonne ihre Strahlen über das wolkenbedeckte Tal geworfen hat.

Snowboarden Österreich

Noch ein toller Ausblick: der abendliche Blick aus unserer Wohnung, direkt auf die Piste hinterm Haus. Jeden Abend fuhr die Pistenraupe und hat uns schon den nächsten Tag schmackhaft gemacht.

dienten-pistenbulli

Unsere Wohnung lag fast perfekt, denn hinter uns befand sich die Piste, links und rechts aus dem Haus lagen in weniger als drei Minuten zu erreichende Lifte, um in die Höhe zu fahren. Die Piste hinterm Haus hatte den Vorteil, dass ich auch direkt von dort ins wohlige Heim sausen konnte. 😀

dienten-appartment

Wie schon erwähnt, kannst du für die ersten Versuche den Babylift nutzen, der ist zu Fuß in ca. 10-15 Minuten zu erreichen. Dabei geht es im 1. Stock des PortiSport-Gebäudes (dort befindet sich auch ein großer Parkplatz) links aus dem Lift durch eine Schranke die Straße hoch immer geradeaus.

Für richtig anfängertaugliches Vergnügen mit Kindern ist Dienten wohl nicht der beste Ausgangspunkt, daher tummeln sich die meisten Skischulen in Maria Alm und nur zwei in Dienten.

Für meine Ausrüstung mit Skiern, Ski-Schuhen und Stöcken und nach dem ersten Tag das Snowboard habe ich den Verleihservice von PortiSport gewählt. Da wir deren Appartments bewohnt haben, gab es 20% Rabatt auf den Verleih. Den zweiten Skiverleih habe ich daher nicht ausprobiert. Die Auswahl bei PortiSport ist groß und der Service gut, die Mitarbeiter sehr hilfsbereit. Du kannst jederzeit die Ausrüstung wechseln, ob komplett von Ski auf Snowboard oder einfach nur ein anderes Board oder Schuhe. Für Anfänger und Könner findet sich sicherlich ein passendes Equipment.

Für das Hochkönig-Skigebiet gibt es eine Königstour. Wenn du die wählst, dann befährst du fünf Gipfel, 32 Pistenkilometer und überwindest 6.700 Höhenmeter. Bei schönem Wetter auf jeden Fall eine Reise Wert. Die Tour ist ausgeschildert, schau sie dir am besten vorher auf der Website der Hochkönig-Region an.

Im Hochkönig-Skigebiet gibt es selbstverständlich auch einen Funpark, der KingsPark.

funpark

Er ist auch für Nicht-Extrem-Springer angenehm zu fahren. Da können schon mal kleine Hüpfer über die Mini-Schanze gelingen. Es gibt auch viele Obstacles für die Könner. Den Park erreichst du, wenn du aus Richtung Dienten kommend die 6er Sesselbahn Dachegg  hinauf fährst. Auf halber Abfahrt findest du dann die Tiergartenalm. Dort haben wir auch Mittag gemacht.

Unser täglicher Abschluss fand in der Bründlalm statt, die liegt direkt über Dienten. Dort gab es dann eine kleine warme Schneeflocke. 😀 Im „Dirndl“ auf dem Aberg-Langeck auf 1900 m hieß diese Leckerei aber Oachkatzlschwoaf, das heißt Eichhörnchenschwanz. Egal wie es heißt, der warme Eierlikör mit Sahne und Zimt war ein Genuss. Das habe ich ganz neu für mich entdeckt, denn Eierlikör mag ich sonst gar nicht – also öfter mal was neues ausprobieren und über seinen Schatten sprinten. In Kombination kann der Eierlikör doch lecker sein. 🙂

schneeflocke

Zum Mittag und auch zum Tee war ich häufig in verschiedenen Almhütten. Dort habe ich mich oft gefühlt als würde ich in ein Museum kommen. Liebevolle Details und Relikte aus vergangenen Zeiten kannst du dort bestaunen. Übrigens von Utensilien für das Snowboarden ist da noch nichts zu sehen. 😉

alte-skier

Und darauf kommt man den Berg runter? Einfach ist es nicht, aber ich hab es mit eigenen Augen gesehen. Denn am Montag gab es in Dienten eine kleine Skishow.

Wir haben an dem Show-Abend in der Bründlalm gegessen. Das Steak war zwar geschmacklich gut, aber es waren keine 220 g und die Soße war über das Steak gegossen. Die Kartoffelspalten hingegen und auch die Hamburger in selbst gebackenem Brot waren lecker. Wie das Schokoküchlein mit flüssigem Kern und Himbeer-Eis als Dessert war, ja das könnt ihr euch ja vorstellen. Es war ein himmlischer Genuss.

Zur Skishow ging es dann um 20:30 Uhr wenige Meter entfernt zu der beleuchteten Piste . Die Show war gerade wieder das erste Mal und ist immer montags bis Mitte März.

skishow

Ein Modelhubschrauber mit beleuchteten Rotorblättern erhellte den Himmel. Einige Skilehrer mit beleuchteter Kleidung sind in Formation gefahren – das sah richtig klasse aus. Zwei Ski-Glider haben auch ihr Können in der Nacht gezeigt, das habe ich noch nie gesehen. Und Nostalgie gab es auch: für die Abfahrt auf 103 Jahre alten Skiern sind Holzstöcke nötig, um die nötigen Kurven zu kriegen. Es geht also noch.

Und wie sind wir ohne Skier von der Bründlalm gekommen?

muellsack-rutschen

Mit Müllsäcken unterm Hintern. 😀 Da hieß es nur „Bahn freiiii!!“ und ab ging es.

 

Woran ich mich noch gern erinnere in Dienten, das ist der Bäcker. Die Brötchen waren sehr lecker und wenn du magst, dann gibt es dort leckere Pralinen für die Lieben zu Hause.

Zum Abendessen gibt es im Ort Restaurants für fast jeden Geschmack. Ob Pizza, deftige Hausmannskost oder etwas feiner. Einen Tipp habe ich noch für dich: das Restaurant Forstino mit seiner kleinen, feinen Küche. Es gibt z.B. Maishendl-Brust mit Gnocchi und den Deantner Bauernsalat mit Bratkartoffeln und Spiegelei kann ich auch empfehlen. Wenn du eine kleine Prinzessin bist oder jemanden kennst der eine ist, dann wird dich sicher auch die grün-rosa gehaltene Einrichtung (linke Seite des Restaurants) magisch anziehen. 😀

dienten-forstino

Ein kleines Stück heile Welt, so beschreibt sich Dienten selbst, das kann ich unterschreiben.

Und irgendwann fragst du dich wie du eigentlich den Tag verbracht hast, wie viele Pistenkilometer hast du geschafft? 😉 Die Nummer auf deinem Skipass und die Skiline-App (Android und iOs) verrät es dir. Ich hatte ganze 115 Pistenkilometer, davon 100 durch das Snowboarden. 😀 Das ist nicht besonders viel, aber ich bin zufrieden. 🙂

Warst du schon mal im Hochkönig-Land und kannst es empfehlen?

Heidi

Heidi

Heidi lebt im Norden Deutschlands. In ihrer Freizeit steht sie gern auf dem Wakeboard oder geht zum Yoga. Auf Zauberhaftes Anderswo schreibt sie regelmäßig Gastbeiträge über ihre Reisen.
Heidi

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

Bist du schon Facebook Fan?schliessen
Powered by LikeJS
oeffnen