Sanya: Sand und Sonne an Chinas Tropenstränden

Dies ist ein Gastbeitrag von Oliver Zwahlen von www.sinograph.ch

Urlaub unter Palmen: Da fallen einem die Malediven oder die Seychellen ein. Vielleicht auch Thailand, Bali oder eine Insel in der Karibik. China kommt hingegen den Wenigsten in den Sinn. Das ist eigentlich überraschend, denn die chinesische Küste ist etwa 14.000 Kilometer lang und zumindest ein Teil davon befindet sich ziemlich genau auf dem gleichen Breitengrad wie Hawaii.

Zwar gibt es von der Grenze zu Nordkorea bis zur Grenze zu Vietnam immer wieder Sandstrände. Doch so richtig tropisches Feeling kommt eigentlich nur auf Hainan auf. Das ist eine Insel von der Größe Belgiens, die etwas südwestlich von Hongkong auf halbem Weg nach Vietnam liegt. Der bekannteste Badeort dieser Insel heißt Sanya. Die Stadt liegt am südlichsten Zipfel der chinesischen Ferieninsel.

In den sechs Jahren, die ich in China lebte, habe ich Hainan drei Mal besucht. Dabei habe ich insbesondere die Region rund um Sanya sehr ausführlich erkundet. In diesem Beitrag will ich dir zeigen, was du in der Gegend von Sanya sehen und unternehmen kannst. Anschließend gebe ich noch ein paar allgemeine Tipps zum Reisen in China, da dieses ja noch immer oft als schweres Reiseland bezeichnet wird.

Tipp 1: Besuch den Strand

Die Strände rund um Sanya sind schön, erstaunlich schön. Der feinkörnige Sand ist weiß oder zumindest hellgelb, das Wasser türkisblau. Du findest problemlos Palmen, unter die du dich legen kannst, ohne vorher Müll wegräumen zu müssen. Und auch wenn du vermutlich keinen vollkommen menschenleeren Strand finden wirst, so sind sie doch alles andere als überfüllt. Dennoch kann sich die Küste von Hainan nirgendwo mit den typischen Postkartenmotiven messen, die wir uns unter einem tropischen Inselparadies vorstellen. Das muss es auch nicht, schließlich geht es hier ja auch darum etwas Kultur mitzubekommen.

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Sanya ist der bekannteste und wohl auch beliebteste Badeort in ganz China. Doch außerhalb der Grenzen Chinas ist die Tropeninsel Hainan noch immer Terra Incognita. Wenn du europäischen Gesichtern begegnest, dann sind das hauptsächlich Russen aus Ostsibirien, die den kürzesten Weg an die Wärme suchen. Und so sind dann die meisten Besucher Chinesen, was wiederum erklärt, weshalb die Strände trotz Besucherboom weitgehend leer sind. Viele Chinesen können nämlich nicht schwimmen und braungebrannt wie ein Straßenarbeiter will ja auch keiner aus dem Urlaub zurückkommen.

Die schönsten Strände findest du in der Yalong-Bucht. Allerdings ist dieser Abschnitt fest in der Hand der internationalen und nationalen Hotelketten im etwas höheren Preissegment. Doch selbst wenn du dir die Preise hier nicht leisten kannst oder willst: Der Strand ist für jeden zugänglich. Spaziere einfach durch die Luxustempel hindurch ans Meer. Wenn du kein Gast bist, musst du entweder auf dem Boden sitzen oder dir eine Strandliege mieten. Das kostet für einen Tag um die 10 Euro für zwei Personen.

Ebenfalls gut entwickelt, ist die Dadonghai-Bucht, wo sich die preiswerteren Hotels einschließlich dem Backpacker Inn und einer Jugendherberge befinden. Je weiter du dich von Sanya entfernst, desto leeren werden die Strände.

Tipp 2: Genieße den frischen Fisch

Bei so viel Meer ist es nicht überraschend, dass Hainan ein Paradies für alle ist, die gerne Fisch und Meeresfrüchte essen. Du brauchst nirgendwo weit zu gehen, um Restaurants zu finden, die alle möglichen und unmöglichen Fischarten in großen Glasbehältern ausstellen. Steht dir der Sinn nach Hummer, Muscheln oder Fisch? Du wirst es finden. Aber auch außergewöhnlichere Speisen wie Seesterne, Seegurken oder etwas, das man mir als See-Ei übersetzte. Die für Hainan bekannteste Spezialität stammt allerdings nicht aus dem Meer und ist nur etwas für abenteuerliche Gourmets: Frittierte Seidenrauben. Das habe ich aber nie selber versucht.

Die Speisen sind generell frisch. Du brauchst also keine Bedenken zu haben, wenn du dich an einem unscheinbaren Straßenrestaurant mit Plastiktischen und -stühlen verköstigen willst. Es lohnt sich jedoch, die Preise zu vergleichen. Insbesondere wenn du dich von den Hauptstraßen wegbewegst, kann der Preis leicht auf die Hälfte fallen.

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Wenn du dich für Fisch interessierst, lohnt es sich auch, früh am Morgen durch die Gassen von Sanya zu spazieren. Dann breiten die Fischer ihren Fang auf dem Boden zum Trocknen aus. Ein bizarrer Anblick, wenn all diese Fische goldig im Morgenlicht glänzen.

Tipp 3: Nimm die entspannte Stimmung auf

Ein Spaziergang durch Sanya lohnt sich aber nicht nur am frühen Morgen. Die Stadt hat, obwohl in ihr etwas mehr als eine halbe Million Menschen leben, ein entspanntes südländisches Flair. Du kannst hier einfach am (leider nicht besonders eindrücklichen) Stadtstrand entlang wandern. Dort findest du eine hübsche Promenade mit Schatten spendenden Bäumen, unter denen du den Einheimischen zusehen kannst, wie sie Karten spielen oder sich im Schach messen. Am Abend siehst du ganze Gruppen von älteren Menschen, die zur Musik aus einem portablen Lautsprecher Gesellschaftstänze einstudieren.

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Als „Langnase“ wirst du hier vermutlich auffallen und die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass sich chinesische Touristen mit dir fotografieren lassen wollen. Spiel da am besten mit, denn es macht Spaß mit den Leuten zu kommunizieren. Wenn du etwas Glück hast, triffst du sogar jemanden, der einigermaßen Englisch spricht und mit dem du spannende Gespräche führen kannst.

Tipp 4: Fahre ans Ende der Welt

Im alten China war Hainan einst ein Verbannungsort, wo in Ungnade gefallenen Beamte auf ihr Ableben warteten. Da es früher auf der Insel Malaria und andere Tropenkrankheiten gab, dauerte dies oft nicht besonders lange. Heute sind diese Krankheiten besiegt, doch noch immer haftet der Insel die Vorstellung an, dass sich hier das Ende der Welt befindet.

Am deutlichsten wird das im Tourismuspark „Tianya Haijiao“, der als das südlichste Ende der Insel (und je nach Standpunkt bei den Inselstreitigkeiten auch ganz Chinas) gilt. Das stimmt zwar nicht so ganz, da das Kap Jinmu zwischen der Dadaihong-Bucht und der Yalong-Bucht noch etwas weiter nach Süden ragt. Aber offenbar war die Kartographie zu Zeiten der Kaiserreiche noch nicht so genau wie heute.

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Wie auch immer, in Tianya Haijio findest du einen besonders feinsandigen Strandabschnitt mit bizarr geformten Felsen. Du wärst nicht in China, wenn sich um die Steine keine Legenden ranken würden. Gerade vor dem Strand befinden sich zwei sich zugeneigte Felsen, die an eine ergreifende Liebesgeschichte erinnern – lass sie dir von den chinesischen Touristen erzählen! Doch noch nicht genug der Romantik: Das Ende der Welt wurde auch in einem bekannten Liebesgedicht erwähnt, so dass dieser Ort im Ruf steht, dass sich Paare nicht mehr trennen, sobald sie hier waren. Du solltest also darauf achten, dass du nicht mit der falschen Person kommst.

Tipp 5: Bestaune die höchste Statue der Insel

Noch etwas weiter westlich als das Ende der Welt findest du Nanshan. Der Ort ist vor allem wegen seiner Tempelanlage und einer 108 Meter hohen Guanyin-Statue (ein weiblicher Bodhisattva des Mitgefühls) bekannt, die sogar etwas höher ist als die Freiheitsstatue von New York, wie Touristenführer gerne stolz verkünden. Die Betonkonstruktion ist nicht besonders schön, aber ihre schiere Größe ist sehr eindrücklich.

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Mir wurde erzählt, dass ursprünglich im Kopf von Guanyin ein Restaurant oder zumindest eine Besucherplattform hätte entstehen sollen. Aber noch während der Planungsphase kam angeblich jemand auf die Idee, dass sich so ein Gastro-Betrieb unter Umständen nicht besonders gut mit dem religiösen Respekt vereinbaren lässt, den man eigentlich zumindest in einer Tempelanlage erwarten dürfte. Ob die Geschichte stimmt oder nicht, das konnte ich nie überprüfen. Aber weil sie mir so gut gefiel, habe ich mich entschlossen, sie zu glauben, zumal der heftige Eintrittspreis von 150 Yuan durchaus die Frage aufwirft, ob hier wirklich Spiritualität im Zentrum steht.

Praktische Tipps

Anreise: Kaum jemand dürfte nur wegen Hainan aus Europa anreisen. Am besten verbindest du Hainan mit einer Chinareise. Sanya hat Flugverbindungen mit zahlreichen chinesischen Provinzhauptstädten; auch gibt es vereinzelt Flüge nach Südostasien. Den nächsten größeren internationalen Flughafen findest du in Hongkong, von wo aus du mit einem Nachtzug nach Hainan fahren kannst (Umsteigen in Guangzhou).

Reisezeit: Sanya ist immer warm und sonnig. Im Sommer gibt es jedoch gelegentlich tropische Wirbelstürme, die manchmal eine Schneise der Verwüstung hinterlassen. Im Winter kannst du Hainan schlecht mit einer Reise durch den Rest von China verbinden, da es fast überall kalt oder sehr kalt ist. Frühling und Herbst sind daher die besten Jahreszeiten.

Visum: Im Netz wirst du wohl einige Informationen zur visafreien Einreise nach Hainan finden. Doch bezieht sich das nur auf Tourgruppen und auf eine direkte Einreise, ohne einen anderen Teil Chinas zu betreten. Kurz: Du brauchst ziemlich sicher ein Visum, das du (oder eine Vertretung) persönlich auf der chinesischen Botschaft abholen musst. Derzeit musst du pro forma eine Hotelbuchung vorweisen, aber ob du wirklich dorthin gehst, kontrolliert niemand. Weitere Tipps zu Visa findest du hier: http://www.sinograph.ch/visum-fuer-china-beantragen/

Sprache: Die Amtssprache auf Hainan ist – wenig überraschend – Chinesisch. Auch wenn die Berichte, dass in China niemand Englisch spricht, stark übertrieben sind, solltest du dir doch bewusst sein, dass es insbesondere bei Taxifahrten und in den kleinen Läden zu Verständigungsproblem kommen kann. Die Hotels sind in der Regel kein Problem. Hier habe ich ein paar Tipps zur Verständigung in China zusammengefasst: http://www.sinograph.ch/mit-diesen-tricks-kannst-du-china-problemlos-kommunizieren/

Internet: Das chinesische Internet ist stark zensiert. Die Medienzensur betrifft hauptsächlich chinesische und einige englische Inhalte. Mit Ausnahme der Deutschen Welle sind jedoch derzeit alle deutschen Nachrichtenportale zugänglich. Schwierigkeiten wirst du mit allen Social-Media-Kanälen haben wie Facebook, Twitter oder Youtube. Wenn du auf irgendwelche Dienste von Google angewiesen bist, wie etwa Gmail, musst auch mit Problem rechnen. Hier ein paar Tipps zum Umgang mit der Zensur: http://www.sinograph.ch/wie-du-china-auf-facebook-und-co-zugreifen-kannst/

 

Oliver Zwahlen

Oliver Zwahlen

Oliver Zwahlen ist ein freier Journalist aus der Schweiz. Zuvor lebte er sechs Jahre lang in China. Auf www.sinograph.ch bloggt er über Leben und Reisen im Reich der Mitte, auf weltreiseforum.com gibt er Tipps und Inspiration für Weltenbummler. Dort angeschlossen findest du auch ein Forum, in dem du dich mit anderen Reisenden austauschen kannst.
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