Ein Stück Norwegen erleben? Molde!

Was fällt dir eigentlich ein, wenn du an Norwegen denkst? Vermutlich atemberaubende Fjorde in einer ebenso schönen Landschaft. Und woran denkst du, wenn du “Molde” hörst? Nicht an Moldejazz das international sehr bekannte Jazzfestival (seit 1961), oder doch? Denn rund 80% der Antworten lautet: Fußball. Tatsächlich haben viele sofort den Molde FK und das Aker Stadion direkt am Moldefjord in Norwegen im Sinn. Der Molde FK spielt gerade z. B. in der Europa League mit Gegnern wie Ajax oder Fehnerbace. Viele Fußball-Fans freuen sich wahrscheinlich regelmäßig darüber, dass Molde auch einen Flughafen hat. Das Personal dort nimmt es bei den Kontrollen des Gepäcks übrigens sehr genau. Und solltest du im Flughafen einen leichten Hunger verspüren, so widerstehe dem Wunsch die vermeintlichen Köstlichkeiten aus dem Schnellimbiss zu testen, denn den kann ich kulinarisch nicht empfehlen. Dann lieber ein verpacktes Sandwich. Übrigens zählt auch folgende Antwort auf “Molde?”: Kenn ich nicht. 😉

Der Flughafen liegt direkt am Wasser. Die Start- und Landebahn endet auch entsprechend im Nichts bzw. vor dem Wasser – da hab ich mich gefreut, dass die Bremsen bei der Landung funktionierten und das Flugzeug beim Start genug Schub hatte. Wo waren nochmal die Schwimmwesten? Diese Frage habe ich mir erst in Molde das erste Mal wirklich gestellt. 😉

Auf diesem Foto der Bahn mit ihren Lichtern fällt gerade wieder Regen, wie leider so oft in Norwegen… 😉 Aber ich verspreche dir, gleich habe ich auch noch ein paar sonnige Bilder für dich parat.

molde-flughafen-bahnNun aber zur Sonnenseite von Molde: Direkt am Hafen liegend erstrahlt das Fußball-Stadion.

Vor dem Stadion spielen diese zwei Wale und der Delfin quirlig, als wären sie kinderleicht, und lassen erahnen, worum es in dem Ort früher ging: Fisch und vor allem Holz.

molde-holzwaleEine kleine Zeitreise kannst du unternehmen, wenn du eines der Museumsdörfer von Molde besuchst. Ich war im Romsdal Museum, es liegt im Reknesparken.

Die Häuser sind in Norwegen aus verschiedenen Gegenden abgebaut und im Museumsdorf wieder aufgebaut worden. Von außen sehen die Häuser absolut heimelig aus – genau so, wie ich sie im Kopf hatte, als ich an Norwegen dachte. Die Dächer dieser Holzhäuser leben förmlich, denn allerlei Gräser wachsen und gedeihen darauf. Diese Art des Dachs dient der Isolierung – ganz schön clever.

molde-museumhausDer Anblick dieser Hütten, ließ bei mir schon ein wenig Romantik aufkommen. Dann mal hinein in die gute Stube. Es ist verrückt in eine Zeit abzutauchen, in der es in den Häusern stockdunkel war – wenige Kerzen erhellten damals die Räume. Stell dir nun einmal vor, dass die Wintermonate sehr lang und dunkel sind… Eine Luke im Dach bringt bei guten Wetter vergleichsweise viel Helligkeit in das Innere, aber eben auch nur, wenn es draußen hell ist. Die spärliche Inneneinrichtung ist sehr sachlich, alles hat einen Sinn und dient dem täglichen Leben.

Ein Blick von der Holzbank aus dem Fenster fällt direkt auf das Lagerhaus. Jeden Sommer auf’s Neue war es das Ziel der Menschen genügend Speisen für den kargen Winter anzusammeln.

molde-fenster-museumZum Tode verurteilt wurde in der Zeit jeder, der sich unbefugt aus dem Lagerhaus bedient hat. Eine gruselige Vorstellung, finde ich. Nur, wenn es nicht genügend Vorräte gab, dann drohte das ganze Dorf zu verhungern.molde-museum-lagerNeben dem wichtigen Lagerhaus gibt es natürlich auch in diesem Dorf eine Kirche. Auf dem Foto kannst du sehen wie klein der Eingang in die Kirche ist. Der Mann steht noch vor der Tür auf der Treppe und trotzdem ist er schon einen Kopf zu groß, um einzutreten. Nun lässt sich streiten, ob es so gewollt war, dass die Kirchengänger den Kopf beim Eintreten in das Haus senken mussten oder ob die Türen so niedrig waren, damit nur wenig Wärme aus dem Inneren nach außen dringen konnte.

molde-museum-kircheWer hätte gedacht, dass ein Schiff von der Kirchendecke herab hängt. Die Verbundenheit zur See ist hier ganz selbstverständlich und wird deshalb auch überall sichtbar. Also: Augen auf.

Damit wir Touristen es gemütlich haben, gibt es das Restaurant “Gildehallen” im Museumsdorf. Das kann ich nur zum Teil empfehlen. Das Essen war leider sehr herabgekühlt, als es endlich bei uns ankam, die Kartoffeln nicht durch. Die Soße zum Rentierbraten war allerdings lecker, nur gerade die kam beim ersten Gang leider zu spät… Die Fischsupper war lecker, aber auch kalt. Zum Dessert gab es typisch norwegischen Karamellpudding mit geschlagener Sahne. Der war nicht schlecht, aber meine Geschmackserinnerungen haben schon einmal einen besseren verspeist. 🙂

molde-gildehallen-resSchön sah es ja aus und so lange der Ofen geheizt war, war auch der Raum kuschelig, wohlig warm – nur leider ging der irgendwann aus.

Wir sollten aber ohnehin ins kleinere Kaminzimmer wandern, welches angenehm warm. Die Bar ist recht gut ausgestattet und das Personal sehr zuvorkommend. Am verrücktesten war allerdings der Koch. Der hat ein kleines Theater vorgespielt, so bizarr und in altem Norwegisch gesprochen, dass sogar die schwedischen Besucher so gut wie nichts verstanden haben.

Aber genug von der Dunkelheit und auf in die Sonne und die klare Luft! Da das Museumdorf wirklich nur wenige Minuten vom Molder Stadtkern entfernt liegt, brauchst du nur einen kleinen Hügel zum Museum hinaufsteigen. Dort findest du eine wunderbare Aussicht über den Moldefjord. Ein Blick nach links hinüber zu den Romsdalsalpen..

..und ein Blick nach rechts. Das hohe, spitze Gebäude, das wie ein Wunder aus dem Bäumemeer hinausragt, ist das Scandic-Hotel.

molde-ausblick-bergDort im Scandic ganz oben im 15. Stock ist eine Bar mit einem klasse Ausblick über die Landseite von Molde – also einmal Molde von beiden Seiten gesehen, das nenne ich einen perfekten Panorama-Blick. Empfehlenswert ist der Weg dorthin während des Sonnenuntergangs. 🙂

molde-blick-scandic-liDirekt vor dem Scandic Hotel liegt das Schwimmbad “moldebadet” und gleich rechts daneben das Stadion. molde-blick-scandic-reWieder heil auf dem Boden angelangt ging es für mich in den kleinen Hafen. Ein Blick in das Wasser geworfen und den kleinen Finger hinein gehalten: Jawohl, ich kann bestätigen, dass das Wasser Anfang Herbst klar genug ist, um viiiiieeeel zu kalt zum Baden zu sein. Deswegen gibt es wohl auch das Schwimmbad… 😉

molde-wasser-klarDer Hafen an sich ist wirklich nicht groß, wenige Yachten haben festgemacht. Täglich fahren Autofähren über den Moldefjord, z. B. legt eine vom Fähranleger bei Vestnes nach Molde ab.

molde-hafen blickmolde-hafenUnd da es leider noch nicht möglich ist, über das Internet Gerüche zu übertragen, möchte ich dich bitten dir beim Betrachten der Bilder – genau JETZT – vorzustellen, wie dir der Geruch von altem Fisch in die Nase steigt… Mmmhhh…. ja genau SO erging es mir, als ich in die Nähe dieses kleinen Häuschens am Hafen kam.

Die Region Molde ist aber für weitaus angenehmere Gerüche bekannt: Rosen. Dank des Golfstroms ist das Klima in Molde relativ mild, so dass Rosen noch in diesem Teil Norwegens gedeihen. So kommt es vor, dass auch auf dem Bürgersteig einmal ein Rosenherz erscheint…

Was gibt es noch schönes in Molde? Einen unheimlich beruhigenden Sonnenaufgang – schönes Wetter vorausgesetzt. Schon beim morgendlichen Blick vom Hotelbalkon das Gefühl zu haben tief durchatmen zu können ist unbeschreiblich. Morgens die Schiffe auf dem Fjord zu sehen, wie sie dahingleiten… Auf dem Foto siehst du die Autofähre im morgengrauen.

molde-sonnenaufgangAuch die Schiffe von Hurtigruten oder größere Schiffe, wie die Rotterdam legen fast lautlos am Anleger an. Einen direkten Blick gibt es von dem Hotel Alexandra auf den Anleger, den Fjord und seine Berge. Mir hat es dort gut gefallen – natürlich nur in Zimmern mit Blick zur See. 🙂

molde-rotterdam Ich konnte auch noch besonders farbenimposante Sonnenuntergänge erleben. Gerade, wenn die Sonne ihren Weg zwischen die Berge hindurch findet und sich ihre restliche Helligkeit im Wasser widerspiegelt…

molde-sonnenuntergang

molde-sonnenuntergangtitelWas würde ich jetzt noch für eine Fahrt auf der bekannten Atlantikstraße, die Atlanterhavsvegen, tun. Über einsamen Inseln und Schären fahren – und das bei einem solchen Sonnenuntergang. Nun ja, alles kann man eben nicht haben. Konntest du die rund 8,3 km lange Straße und ihr stattliches Brückenwerk schon einmal erkunden?

Jetzt habe ich aber noch ein kleines Rätsel. Weißt du, was diese beiden Steine bilden?

Heidi

Heidi

Heidi lebt im Norden Deutschlands. In ihrer Freizeit steht sie gern auf dem Wakeboard oder geht zum Yoga. Auf Zauberhaftes Anderswo schreibt sie regelmäßig Gastbeiträge über ihre Reisen.
Heidi

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