Es regnet Mantas im Baa Atoll

Dies ist ein Gastbeitrag von Lena, die seit 1,5 Jahre als Tauchlehrerin auf den Malediven arbeitet und auf Life & Dive über ihre Taucherlebnisse bloggt. Sie berichtet dir von Manta-Rochen, die regelmäßig zur Regenzeit in die Bucht kommen und dort von Tauchern und Schnorchlern bewundert werden können. Viel Spaß beim Lesen!

Sieben Monate dauert die Regenzeit auf den Malediven an. Was erstmal abschreckend klingt, ist für uns die beste Zeit des Jahres. Denn während des Süd-West Monsuns kommen die Mantas zu uns ins Baa Atoll.

Bei den „flappy ones“, wie wir unsere großen Freunde liebevoll nennen, handelt es sich um Riffmantas (Manta alfredi), die zur Familie der Teufelsrochen gehören. Im Unterschied zu ihren großen Verwandten, den ozeanischen Mantas (Manta birostris) lebt die kleinere Art küstennah und wandert dem Plankton hinterher.

Manta-PilotWährend des Süd-West Monsuns strömt planktonreiches Wasser vom Ozean ins Baa Atoll. Dieser Einladung folgen die bis zu 5m großen Riesen nur allzu gern, denn sie ernähren sich ausschließlich von Plankton. Nach aktuellen Forschungsergebnissen wandern zu dieser Zeit zwischen 25 und 30% der geschätzten maledivischen Mantapopulation in unser Atoll. Wie Zugvögel folgen sie den Jahreszeiten und ihrem Nahrungsangebot.

Ihr Lieblingsplatz ist hier die „Hanifaru Bay“. Noch vor einigen Jahren gänzlich unbekannt, ist sie mittlerweile für die Wissenschaft zu einer der weltweit wichtigsten Plätze der Mantaforschung geworden. Dass sie heute weltberühmt ist, verdankt sie Guy Stevens, dem Gründer von MantaTrust, der unter anderem National Geographic ins Atoll geholt hat. Die „Hanifaru Bay“ ist eine kleine trichterförmige Bucht, in der sich während der Regenzeit wegen ihrer Form große Mengen Plankton konzentrieren. Für die Mantas ist das wortwörtlich ein „gefundenes Fressen“. An manchen Tagen können dort bis zu 50 Tiere gleichzeitig angetroffen werden.

02-Lena-MantaDass ich mit Tieren arbeiten möchte, wusste ich bereits als Kind. Dass ich allerdings als Tauchlehrerin mit Riesenrochen arbeiten würde, hätte ich mir niemals träumen lassen.

Heute liebe ich sie. Jeden einzelnen von ihnen. Es wird niemals langweilig. Jede Begegnung ist einzigartig. Und ich bin sehr dankbar dafür, dass ich mit diesen sanften Tieren zusammen leben und arbeiten darf.
So wie mir, ergeht es unserem ganzen Team hier im Atoll, egal ob wir nun an den örtlichen Tauchschulen oder in der Forschung arbeiten. Die Faszination für diese Tiere, ist bei allen Beteiligten gleich groß.

Die Forschungsteams kümmern sich hauptsächlich um die Identifikation der einzelnen Tiere, mit dem Ziel deren Wanderwege über die Jahre und Jahreszeiten zu dokumentieren und zu verstehen.
Wir als Tauchlehrer und Guides bemühen vor allem darum unsere Gäste mit großen Respekt an die wundervollen Tiere heranzuführen. Denn nur was man liebt, schützt man auch.

Manta-mit-offenem-MundUnsere ersten Mantas diesen Jahres haben meine Gäste und ich völlig unerwartet bereits im Mai am Tauchplatz „Dhonfan Thila“ gesehen. Es war eigentlich noch viel zu früh in der Saison,  daher hatten wir gar nicht mit den „flappy ones“ gerechnet. Doch während wir gerade abtauchten, wurde es plötzlich dunkel um uns. Als wir uns auf den Rücken drehten, erkannten wir die wagen Umrisse eines riesigen Tieres. Erst nachdem wir langsam aufstiegen, entdeckten wir, dass es sich um einen ausgewachsenen Manta handelte. Euphorisch wagten wir uns vorsichtig an die Riffkante, um diesen magischen Wesen bei ihren schwebenden Kreisen zu beobachten. Mit unendlicher Sanftmut schwebten sie nur eine handbreit über den Korallen, um sich von den Putzerlippfischen reinigen zu lassen. Was andere nur aus Dokumentationen kennen, durften wir eine ganze Stunde lang direkt vor Ort bewundern.

01-Liko-MantaAb diesem Zeitpunkt, zu welchem wir den Mantas das erste Mal im Jahr in unserer Bucht begegnen, fällt alljährlich der Startschuss. Von diesem Tag an, besuchen uns „the flappy ones“ regelmäßig an den unterschiedlichsten Tauchplätzen. Von Mai bis November können wir freudig bei jedem Tauchgang nach oben blicken, denn fast täglich ziehen die sanften Riesen ihre Kreise über uns.

Ende November schnorchelte ich in der „Hanifaru Bay“. Es war der letzte Trip des Jahres, auf dem wir Mantas sahen.
Obwohl ich 7 Monaten lang beinahe täglich mit ihnen schwimmen durfte, bekam ich wieder eine Gänsehaut, als sie knapp unter der Oberfläche unter mir durchtauchten.

Schnorchler-schaut-auf-MantaManchmal sind die Tiere so nah, dass diese Beinahe-Zusammentreffen an einen Hindernislauf grenzen. Eigentlich dürfen wir die Tiere nicht berühren. Unsere Haut könnte sie mit unbekannten Erregern infizieren, die ihrem Immunsystem noch nicht bekannt sind und sie folglich krank machen können.
Doch manchmal bleibt uns keine Chance und die Mantas entscheiden, dass sie uns berühren wollen. Dann schwimmen sie so dicht unter uns entlang, dass ihre breiten Flossen uns streicheln.

Wir hatten eine wundervolle Regenzeit mit unseren Freunden und können es nicht erwarten, bis er wieder kommt… der Regen.

Bist du schon einmal mit Mantas getaucht? Hast du Fragen an Lena, die du noch loswerden möchtest? Dann rein mit ihnen in die Kommentare!

P.S: Nachdem nun so viel über die Mantas vom Baa Atoll geredet wurde, haben wir hier für euch noch ein Video. Vielen Dank an Life’n Dive!

Lena

Lena

Lena ist 30 Jahre alt und taucht seit drei Jahren
dauerhaft mit ihren pinkfarbenen Flossen um die Welt.
Als Historikerin und Tauchlehrerin ist sie seit 1,5 Jahren auf den Malediven tätig. Auf der Website von Life & Dive bloggt sie hauptsächlich zum Thema Tauchreisen und verwaltet ein bisher einzigartiges Informationsbord für Tauchlehrer weltweit.
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