Kiten in Thorsminde

Hallo ihr Lieben, dieses Mal geht es auf’s Wasser. Ich war in Dänemark Kiten. Ki-Was? Das ist wie Wakeboarden mit einem großen Drachen. Wakeboarden? Das ist wie Snowboarden auf dem Wasser.  Selbst zu dieser Jahreszeit – im Winter – sind einige unerschrockene Sportler in unseren Gefilden draußen auf dem Wasser. Ziemlich verrückt. 😉

Ich war im November in Dänemark und selbst da dachte ich: puhhh um diese Jahreszeit noch Kiten, ist doch bald Winter!? Ich hatte schon ein wenig Angst, dass das eine buchstäblich eiskalte Erfahrung werden könnte. 🙂 Aber… Es hat tatsächlich sehr viel Spaß gemacht und daher möchte ich euch heute davon berichten: von meinen Kite-Erfahrungen am Nissum Fjord in Thorsminde in Dänemark!

In Thorsminde, direkt hinter den spärlich bewachsenen Sanddünen, liegt die Nordsee. Sie hat mich gleich in ihren Bann gezogen. Allein das Meeresrauschen in den Ohren! Die Wellen, die auf die Steinbuhnen prallen und sich auch auf dem Sandstrand brechen. Besonders am Abend, wenn es dunkel wird, konnte ich nicht nur den Wind hören, sondern noch dazu das ferne Rauschen des Meeres. Da war ich direkt in Urlaubsstimmung!

thorsminde_nordsee-dueneBei meinem ersten Spaziergang am Meer stellte ich fest, dass sich das Meeresrauschen nicht nur toll anhört, sondern dass auch tatsächlich die Wellen der Nordsee sehr hoch waren und die Strömung dementsprechend stark. Zum Spazieren gehen und Steine sammeln war dieses Wetter perfekt geeignet. Im Wasser konnten wir sogar ein paar mutige Wellenreiter entdecken, die sichtlich Spaß im Meer hatten. Für einen Kite-Anfänger, wie ich es bin, war das allerdings nichts. Für mich ging es also ab auf den Fjord, der genau auf der anderen Seite von Thorsminde nur wenige Meter hinter unserem Ferienhaus lag. Dort teilen sich Vögel (in teils ganzjährige, ausgewiesenen Schutzgebieten) mit den Fischern und ihren Reusen und Netzen das Wasser. In dieser idyllischen Stimmung durften Kiter und Surfer natürlich nicht fehlen! 🙂

Wir waren, Anfang November, die einzigen Kiter dort. Das mag vielleicht daran liegen, dass der Camping-Platz nur bis ca. Mitte Oktober geöffnet hat und normalerweise darüber der Zugang zum Spot erfolgt. Bis zu der Zeit ist die Surf-Zone mit Bojen gekennzeichnet. Aber bei dem relativ (!) warmen Wetter, konnten wir den Fjord auch noch im November zum Kiten nutzen.

Ich war mit meinem Freund in Thormsinde. Er ist schon kite-erfahrener und hat einige Drachen. Zwei Kite-Boards hatten wir natürlich auch mit.

Unsere Ausstattung für Thorsminde bestand aus folgenden Kites mit entsprechenden Bars:

  • einem 12 qm North Vegas aus 2009,
  • einem 9 qm Fone Bandit IV aus 2011,
  • einem 7 qm North Vegas aus 2010.

Was wir noch brauchten:

  • einen Neopren-Anzug (bestenfalls sollte dieser mindestens 3:5 mm dick sein),
  • eine Safety-Leash, damit der Drachen im Notfall nicht verloren geht,
  • ein Trapez, mit dem wir uns am Drachen einhängt haben,
  • und zum Wärmen noch Neopren-Schuhe und Handschuhe und eine Neopren-Mütze.

Die Neopren-Ausstattung war bei dem Wetter nötig, in wärmeren Gebieten fällt sie dann magerer aus. 🙂

1. Tag:
Ausgeschlafen und mit einem ordentlichen Frühstück gestärkt, stiefelten wir voll bepackt zum Fjord. Der angesagte Wind war da (ca. 18-20 Knoten) und bließ uns frech um die Ohren. Auch der angekündigte Sonne-Wolken-Mix war am Himmel zu sehen. Perfekte Bedingungen also.

Die Kites mussten aufgebaut, die Leinen ausgelegt werden. Die ersten Starts gingen etwas holprig, aber dann lief es ziemlich gut. Mein Ziel war zunächst: Höhe halten und Höhe laufen, um nicht bei den Vögeln an Land zu landen. 😉 Eines kann ich euch jetzt schon verraten: mein nun schon rund drei Jahre alter 3:5er Neoprenanzug war mir viel zu kalt. Der Wind lässt jede wärmende Sonnenstrahlung blass aussehen und ich habe tierisch gefroren. Allen Befürchtungen zum Trotz, habe ich mich bei der Aktion dennoch nicht erkältet. Jeah! 🙂

thorsminde_kiten-fjord1
Die Mittagspause sollte es dann im Ferienhaus geben – einmal aufwärmen bitte. Dann kam die Verwirrung: ein nettre älterer Däne meinte, dass wir hier um diese Jahreszeit nicht mehr Kiten dürften. Verdammt, damit hatten wir nicht gerechnet, so langsam breitete sich Enttäuschung aus. Also bauten wir erstmal ab. Aber wir wollten es nicht glauben, also suchten wir wild im Internet, studierten die Karte mit den Schutzzonen und den Zeiten. Das war allerdings alles immer noch sehr verwirrend. Wir haben letztendlich zum Telefon gegriffen, denn die, die es wissen könnten waren ja nicht mehr da: weder Kiteschule, noch Campingplatz-Besitzer. Gerda vom Campingplatz sagte uns dann wir dürften doch Kiten, stehen würde das aber nirgends.. mmh… Na gut… Mir war zu bereits zu kalt, mein Freund ist aber noch mal raus. Einen kleinen Abstecher zu dem netten Dänen haben wir aber dennoch gemacht, um ihm von unserern Rechercheergebnissen zu berichten. Er würde sich melden, wenn er etwas anderes herausfinden könne, war seine letzte Aussage. Gehört haben wir von ihm nichts mehr.
Die Versuche zu Kiten gingen am ersten Tag in Ordnung, auch wenn sie nicht berauschend waren. Vielleicht lag das am Wind (*lach*) oder daran, dass es zu kalt war. 😀

Tag 2:
Für unseren zweiten Tag war nicht so starker Wind angesagt. Tatsächlich waren es auch erstmal nur 8-10 Knoten. Die Frage, die sich uns stellte: welches Board und welches Kite eignet sich am besten auf dem Fjord? Wir haben uns gegen den Fjord und erstmal für die andere Seite von Thorsminde entschieden: die rauhe Nordsee und den Sandstrand – mit Kite, aber ohne Board. Die Sonne kam raus und der Wind reichte zunächst nur knapp, aber dann zog er an. So sind wir über den Sand geschlittert, die Füße als Boardersatz. Herrlich, und wie warm einem dabei wurde! Der Wind wurde allmählich stärker und bei einem Blick über die Schulter war klar warum: eine leicht dunkle Front zog heran. Tipp: Beim Kiten immer mal wieder einen Blick über die Schulter werfen, denn wenn ihr im Wasser seid, kann ein Unwetter schneller kommen als ihr denkt. Vorsichtshalber haben wir nach rund 2 Stunden Auspowern dann abgebaut. Als wir den Weg über die Düne zurück gingen hörten wir den Donner, der zum Glück noch weit weg war. Die ersten Tropfen Regen prasselten erst auf uns nieder, als wir vor der Haustür standen. Da hatten wir echt Glück! So war auch der zweite Tag ein voller Erfolg.

thorsminde_drachenfliegen-nordsee1thorsminde_drachenfliegen-nordsee
Die Flieger-Praxis, ohne Wasser und Board unter den Füßen, finde ich übrigens unerlässlich. Wer das Kite surfen lernen möchte, dem empfehle ich erstmal das Drachenfliegen zu üben und sich einige Tipps und Tricks zeigen zu lassen, wie man den Kite z.B. relaunched, wenn er doch mal zu Boden segelt oder besser gesagt auch einmal mit einem satten Knall aufschlägt. 😉 Es eignen sich dafür Strände und Wiesen, wo der Wind nicht durch Bäume oder andere Hindernisse verwirbelt wird.

3. Tag:
Am dritten Tag sollte es wieder aufs Wasser auf den Fjord gehen, bei ca. 15 Knoten und etwas Sonne! Das war die perfekte Wetterkombination. Hochmotiviert bin ich also aufs Kite-Board gestiegen – und tatsächlich habe ich an diesem Tag meine ersten erfolgreichen Wenden geschafft. Es war einfach ein berauschendes Gefühl, als sich dieser erste Erfolg einstellte. Kalt war mir dann gar nicht mehr. Ich habe es einfach nur noch genossen.

thorsminde_kiten-fjordDer Nissum Fjord eignet sich sehr gut für Anfänger und Fortgeschrittene. Wenn ihr über den Campingplatz zum Fjord möchtet, dann sind pro Person, pro Tag 10 Euro fällig, aus meiner Sicht ist das unverhältnismäßig. Das Wasser im Fjord ist im Sommer wohl sehr niedrig (Achtung bei langen Finnen), zum Winter und im Frühjahr fand ich die Knie- bis Hüfttiefe im  vorderen Bereich aber sehr angenehm. Neopren-Schuhe solltet ihr haben, es liegen teils Steine und Muscheln auf dem Grund. Die Kites konnten sehr gut auf dem Land aufgebaut und auch zwischengelagert werden, wie ihr sehen könnt.

thorsminde_kites-fjordDie Umgebung ist wunderbar, und direkt am Wasser könnt ihr auch wohnen.

Und damit mal genug ist mit Bilder gucken: hier ein Video von mir in Thorsminde am Strand und auf dem Fjord! 🙂

Informationen zu unserer Unterkunft:
Für unsere Zeit in Thorsminde hatten wir uns ein super schönes Ferienhaus gemietet. Es war ein privat ausgestattetes Haus, welches über die Vermietungsvermittlung Novasol angeboten wurde. Es bestand aus drei Schlafzimmern mit Doppelbetten, einem Bad mit Whirlpool, Dusche und Sauna, einem Gäste-WC und einem schönem Wohnzimmer mit einer großen Küche und einem Essbereich. Auch ein Kamin zum Aufwärmen gab es. Wir haben uns direkt wohl gefühlt. Auch unsere späte Anreise (ca. 23 Uhr) war kein Problem: wir haben die Schlüssel bei der Schlüsselausgabe in einem Umschlag vorgefunden und konnten so auch noch spät am Abend einziehen. Strom und Wasserzählerstände mussten wir bei An- und Abreise ablesen und dann konnten wir den Aufenthalt genießen. Wenn ihr euch auch ein Ferienhause anmieten wollt, vergesst nicht: alles was ihr so zum Essen und Einheizen braucht, müsst ihr unbedingt mitbringen.

thorsminde_wohnung_nr16Und damit ich beim nächsten Mal Kiten nicht mehr friere, geht es bald in wärmere Gefilde. Wir fahren nach El Gouna, Ägypten. Ich freue mich riesig darauf und werde berichten! 😀

Welche Kite-Gebiete könnt ihr empfehlen und wie seid ihr auf den Sport gekommen?

Heidi

Heidi

Heidi lebt im Norden Deutschlands. In ihrer Freizeit steht sie gern auf dem Wakeboard oder geht zum Yoga. Auf Zauberhaftes Anderswo schreibt sie regelmäßig Gastbeiträge über ihre Reisen.
Heidi

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