Ein Traum vom Meer – die Cote d’Opale

Die Côte d’Opale (übersetzt „Opalküste“) hat ihren Namen von der blau-grünen Wasserfärbung des Meeres. Sie ist der französische Küstenstreifen entlang des Ärmelkanals, von welchem aus Besucher an klaren Tagen bis zur englischen Küste schauen können. Nachdem wir in Metz und Reims die beeindruckende französische Baukunst (vor allem was Kathedralen angeht) bewundern konnten, wollten wir nur noch eins: Endlich ans Meer!

Cote d'OpaleUnsere Reise entlang der Côte d’Opale startete in Merlimont, einem verschlafenen Küstenort, der seine beste Zeit schon hinter sich hat. Das ist nicht böse gemeint. Es ist nur einfach so, dass ich mich beim Spaziergang durch diesen kleinen Ort in eine andere Zeit zurück versetzt fühlte. So muss es hier schon in den 60er Jahren ausgesehen haben. Nur dass damals vermutlich zahlreiche betuchte Touristen durch die Gassen der Stadt schlenderten.

Heute sind an vielen Häusern die Rolläden geschlossen. „Zu verkaufen“ oder „Zu vermieten“ Schilder zieren die bröckeligen Fassaden. Die Restaurants sehen ein wenig so aus, als hätten auch sie ihr Inventar schon einige Zeit lang nicht mehr erneuert. Ein alter Süßigkeitenwagen, wie man ihn bei uns auf Weihnachts- oder Jahrmärkten antrifft, verkauft Softeis, Zuckerwatte, Crepes und Waffeln und im verstaubten Tante-Emma-Laden schräg gegenüber gibt es die wichtigsten Dinge des täglichen Lebens zu kaufen.

StrandMerlimont ist nicht wirklich sehr schön, aber dennoch hat es seinen eigenen Charme. Vor allem hat es einen langen Sandstrand zu bieten, auf dem wir bibbernd entlang wandern. Ja. Bibbernd. Denn obwohl die Bilder vermuten lassen, dass wir wunderschönstes Wetter für unseren Trip ans Meer erwischt hatten, war es an der Küste des Ärmelkanals ordentlich kalt. Das lag vor allem an dem eisigen Wind, der uns fortwährend um die Ohren blies. Und da es an der Küste zwar viel Sand und viele Dünen gibt, jedoch sehr wenig andere Dinge, die uns vor dem Wind geschützt hätten, begnügten wir uns damit uns zitternd ein einigermaßen geschütztes Plätzchen in der Sonne zu suchen, die Kapuze tief ins Gesicht zu ziehen und den Menschen dabei zuzusehen, wie sie tapfer versuchten ihren Windschutz aufzubauen. Möwen zogen kreischend ihre Bahnen über unsere Köpfe, während wir erschöpft von der Fahrt auf dem Sand hockten und die frische Meerluft in uns aufsogen.Hund am StrandNach einer kurzen Stärkung in einem der Restaurants, was nicht weiter erwähnenswert ist, weil es eher kurios als lecker war, machten wir uns wieder auf den Weg zum Strand. Bereit für den ersten Sonnenuntergang am Meer, während unseres Roadtrips. Wir suchten uns ein einigermaßen windgeschütztes Plätzchen an der Promenade und warteten darauf, dass die Sonne ihren Weg zum Horizont antrat. Und das tat sie auch. Auch wenn sich leider im letzten Moment dicke Wolken vor die Sonne schoben und uns so ein wenig den Anblick verdarben, war er trotzdem schön – der Sonnenuntergang am Meer. SonnenuntergangWenig später ließen wir uns erschöpft in das wohl bequemste Bett unseres Roadtrips fallen. In Merlimont hatten wir ein wirklich tolles Air B’n’B gebucht. Bei einer bezaubernden älteren Dame, die es liebt Reisende in ihrem Haus zu beherbergen und uns den nächsten Morgen nicht nur mit herrlichem Frühstück, sondern auch mit hervorragenden Tipps für unseren weiteren Weg entlang der Côte d’Opale versorgte.

Und so kam es, dass uns unser erster Stopp nach Ambleteuse führte. Ein weiterer kleiner unscheinbarer Küstenort, ausgestattet mit einer Mini-Burg direkt im Meer. Was es da sonst so zu sehen gab… bis auf einen einzigen mutigen Schwimmer, der sich tatsächlich trotz des kalten Wetters in die Wellen wagte und gleich von zwei Bademeistern beobachtet wurde… bis auf das, ehrlicherweise nicht wirklich viel. Das war auch der Grund, weshalb wir recht schnell weiter fuhren.

AmbleteuseWas auf unserem Weg entlang der Küste wirklich toll war, war die Aussicht. Auf der Küstenstraße ging es sehr ruhig zu. Wir fuhren durch grüne Hügel, hatten immer mal wieder das türkisblaue Meer vor uns, grüne Dünen und ab und an ein paar Kreidefelsen. Was sich bei solch einer Tour vor allem einstellt, ist das Gefühl von Freiheit und der Wunsch nie wieder weiter fahren zu müssen.KüstenstreifenIn Audresselles – dem nächsten kleinen Ort – hielten wir an, um uns den Magen bei einem richtig guten französischen Essen vollzuschlagen. Frische Muscheln aus dem Meer standen auf dem Speiseplan. Das konnten wir uns nicht entgehen lassen.Blumen Cap Gris NezGleich darauf folgten zwei tatsächliche Highlights der Côte d’Opale. Cap Gris-Nez und Cap Blanc-Nez. Zuerst führte uns die Küstenstraße zum Cap Gris-Nez (übersetzt „Graue Nase“). Die Bezeichnung „grau“ erhielt dieser Teil der Küste, weil der offenliegende Fels grau ist. Vom Cap Gris-Nez aus konnten wir direkt hinüber schauen zum nördlich liegenden Cap Blanc-Nez, bei dem leuchtend weißes Kreide-Gestein zu Tage tritt.

LeuchtturmSchon von weitem konnten wir den grauen Leuchtturm auf dem Gipfel des Cap Gris-Nez erkennen. Was wir erst aus der Nähe sahen, war die Bunkeranlage, die den Leuchtturm umgab und diesen Küstenabschnitt in ein anderes Licht tauchte. Uns wurde wieder bewusst, dass das Gebiet, in dem wir uns befanden während des Zweiten Weltkrieges eine große Rolle spielte. Dies hatten wir schon auf dem Weg zur Küste bemerkt, wo zahlreiche Kriegsfriedhöfe den Straßenrand säumten. Noch heute weist das Gebiet um das Cap Gris-Nez sichtbare Spuren der schweren Bombenangriffe von 1944 auf. Und dennoch ist dieser Küstenabschnitt einfach nur wunderschön.Blumen an der KüsteDas Cap Blanc-Nez (übersetzt „weiße Nase“) ist schon von weitem durch den Obelisken erkennbar, welcher auch aus dem Zweiten Weltkrieg stammt. Die Bunkeranlage, die sich im Gipfel des Kaps unterhalb des Obelisken befindet, wurde von den Besatzungstruppen des nationalsozialistischen Deutschen Reiches gebaut. Die Spuren der Kämpfe des Zweiten Weltkrieges, sind anhand der zahlreichen und noch immer gut sichtbaren Bombenkrater erkennbar – auch wenn diese mittlerweile von saftig grünen Wiesen überdeckt werden. Wir hatten für unseren Ausflug viel Glück mit dem Wetter und konnten so am Horizont die Kreidefelsen von Dover ausmachen. England ist von der französischen Küste aus wirklich zum Greifen nah.MonumentIn dem kleinen Dorf Sangatte legten wir noch einmal eine kurze Pause am endlos langen Strand ein, bevor wir vor der aufziehenden Gewitterfront flohen und unseren Weg nach Calais fortsetzten.

Calais, so stellte sich für uns heraus, ist kein wirklich schöner Ort. Auch wenn das Rathaus uns mit seiner Fassade wirklich verzaubert hat, so war der Rest des Ortes doch sehr trist und grau. Wenig später setzen wir unseren Roadtrip fort. Belgien sollte das nächste Ziel unserer Route sein.

Rathaus Calais

Karina

Karina

Karina ist 30 Jahre alt und lebt in Leipzig.
Tauchen, Reisen und Bloggen sind ihre großen Leidenschaften. Wann immer es möglich ist, erkundet sie die Welt und berichtet auf Zauberhaftes Anderswo von ihren zahlreichen Erlebnissen.
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