Ein Tag in Angkor

Stell dir vor, du bist im Urlaub. Was muss passieren, damit du freiwillig um 4 Uhr dein gemütliches Bett verlässt? Also bei mir muss schon etwas ganz besonderes anstehen, damit ich mich im Urlaub zu dieser Uhrzeit schlaftrunken aus dem Hotel quäle.

In diesem speziellen Fall fiel mir das nur halb so schwer. Auf meinem Tagesplan stand die Besichtigung eines der gewaltigsten religiösen Bauwerke der Welt: Angkor Wat. Und mein Tag sollte direkt mit einem der Highlights starten: dem Sonnenaufgang am Haupttempel. Um mich vom Farbspiel des Himmels inmitten dieser fantastischen Kulisse verzaubern zu lassen, habe ich also gefühlt mitten in der Nacht mein Bett verlassen.

Das Tuktuk, was ich am Vortag gebucht hatte, wartete bereits vor dem Hotel auf mich. Der junge Fahrer wirkte ähnlich verschlafen wie ich, obwohl er angesichts der Touristenmassen vermutlich nicht selten so früh aus den Federn muss. Es sei vorweg gesagt: es ist nicht notwendig sich für einen Besuch der berühmten Tempelanlage ein Tuktuk zu mieten. Genausogut kann man seine Erkundungstour per Fahrrad starten. Angesichts der flirrenden Hitze, die sich in Siem Reap allerdings ab ca. 10 Uhr verbreitet, habe ich dankend auf diese schweißtreibende Aktivität verzichtet und ließ mich gemütlich durch die Gegend kutschieren.

Schlangengott

Angkor Wat

5 Uhr morgens. Menschentrauben in Angkor Wat. Obwohl mit bewusst war, dass der Sonnenaufgang am heiligsten Tempel dieser riesigen Anlage zu den Standardpunkten auf einer jeden Touristentour gehört, traute ich meinen Augen kaum, als ich sah wie viele Touristen zu dieser Zeit den Weg zum Tempel entlang liefen. Alle auf der Suche nach dem besten Platz, um den Sonnenaufgang bestaunen zu können.

Angkor Wat ist nur ein Teil der gesamten Anlage Angkor. Einem riesigen Komplex von Tempeln und Königspalästen inmitten des kambodianischen Dschungels. Die Anlage von Angkor Wat ist umgeben von einem 190m breiten Wassergraben, der ein riesigen Rechteck mit einer Seitenlänge von 1,5 mal 1,3 km bildet.

Sonnenaufgang Angkor I

Ich folge dem Menschenstrom ins Innere der Anlage, bestaune die ersten Reliefs und religiösen Darstellungen. Schon bald finde auch ich ein nettes Plätzchen, von welchem aus ich in den Himmel schaue. Im Vordergrund erheben sich die Türme von Angkor Wat, während im Hintergrund der Himmel von dunkelblau zu hellgrau-lila und rot-orange wechselt. Es ist ein schöner Sonnenaufgang und eine riesige beeindruckende Tempelanlage. Aber ehrlicherweise stören mich die Menschenmassen doch ein wenig. Vielleicht liegt es aber auch an den vielen Superlativen die normalerweise benutzt werden, um diesen einen Sonnenaufgang zu beschreiben, die bei mir im Vorfeld die Erwartungen ein wenig höher angesetzt hatten.

Sonnenaufgang Angkor Wat

Als die Sonne am kambodianischen Himmel steht, schließe ich mich den anderen Touristen an und beginne meine Erkundungstour durch Angkor Wat. Was mich bei diesen asiatischen Tempeln immer sehr beeindruckt sind die einzelnen Abbildungen von Göttern und Geschichten, die in den Fels gehauen sind. Genauso wie die kleinen und großen Türmchen der Tempel und die kleinen Altare, die man als Besucher immer wieder entdeckt. Sogar zwei Mönche in typischen orange-farbenen Gewändern begegnen mir in der Tempelanlage. Dieses Bild wie aus einem Urlaubskatalog, zerstört sich allerdings ein wenig in dem Moment, in dem sie ihr Smartphone zücken, um genau wie wir Touristen Fotos der Anlage zu schießen.

Angkor Wat mit Mönchen

Nach meinem Rundgang durch die Hauptanlage gehe ich zurück zu meinem Tuktuk-Fahrer, der gemeinsam mit den anderen unzähligen Fahrern auf mich wartet. Völlig irritiert schaut er mich allerdings an, als ich meinen Wunsch äußere: als nächstes möchte ich nach Ta Prohm. Erstaunt erklärt er mir, dass dies aber nicht die gewöhnliche Tour sei. Ich nicke, betone aber ein weiteres Mal, dass ich nun weiter nach Ta Prohm möchte. Er schüttelt den Kopf – da sei doch aber noch niemand anderes, weil man die Tour nun mal anders fahren würde. Ich nicke fröhlich: genau das ist der Grund weshalb ich die Route ändern möchte. Weiter geht es für mich als zu dem Tempel, der auch als Tomb-Raider-Tempel bezeichnet wird.

Ta Prohm

Am Ziel angekommen, werde ich für diese Hartnäckigkeit belohnt: in Ta Prohm sind außer mir noch keine Menschen zu sehen. Das heißt nicht anderes, als dass ich diese Tempelanlage nun ganz allein erkunden kann. Völlig ohne darauf achten zu müssen, dass mir nicht ständig jemand ins Foto springt.

Ta Prohm

Ta Prohm diente bereits als Filmkulisse für Tomb Raider und ist daher vielen bekannt. Der große Reiz diese Ruine liegt darin, dass der Urwald bereits wieder dabei ist diesen Tempel zurück zu erobern – und das ist wirklich ein sehr beeindruckendes Bild. Vor allem, wenn man es ungestört genießen kann. Und so streife ich durch diese Tempelanlage und bin einfach nur sprachlos.

Tha Phrom V

Im 12. Jahrhundert begannen die Menschen dieses Bauwerk zu errichten und erkämpfen sich dafür vom Urwald dieses Stück Land. Viele Durchgänge des buddhistischen Tempels sind nicht mehr passierbar, weil der Weg durch Steine versperrt ist, die von den Wurzeln längst vermoderter Bäume verdrängt wurden. Über die Mauern wuchern Kletterpflanzen, Moose und Flechten. Stück für Stück erobert sich die Natur dieses Fleckchen Erde wieder zurück. Es ist ein äußerst faszinierendes Erlebnis durch die Tempelanlage zu streifen und die unfassbare Größe und Stärke der Bäume hautnah zu erleben.

Tha Phrom IV
Allerdings dauert es auch hier nicht lang, bis die ersten anderen Touristengruppen in die Dschungelruine strömen. Das Geplapper unterschiedlichster Sprachen fließt durch die Gemäuer von Ta Prohm. Die riesigen Bäume des Urwalds werden bestaunt, wie sie so in den Himmel ragen und ihre Wurzeln über die Mauern wachsen lassen. Die Faszination über dieses Naturschauspiel scheint alle gleichermaßen zu erfassen.

Ta Prohm

Angkor Thom

Meine Erkundungstour führt mich weiter zu Angkor Thom. Angkor Thom war nicht “nur” ein Tempel – es war die letzte mächtige Hauptstadt des Khmer-Reiches. Sie erstreckte sich über gigantische 10km². Auch diese Anlage ist von einem Burggraben und einer Mauer umgeben. Ins Innere gelangt der Besucher über eines der beeindruckenden Tore, die sich in jeder Himmelsrichtung befinden.

Portal

Das Herzstück der Anlage ist der Staatstempel Bayon. Von weitem ähnelt dieser Regierungstempel einem riesigen Schutthaufen. Doch von Nahem erschließt sich sein wahrer Zauber. 54 Türme verziert mit 216 Gesichtern aus Stein, die in alle Himmelsrichtungen blicken, ragen in den Himmel. Die Gesichter schauen kühl in die Ferne und haben wohl nicht gerade zufällig Ähnlichkeit mit dem damaligen Herrscher. Hier zeigt sich deutlich wer über die Stadt und das Umland wacht.

Angkor Thom

Zum Zeitpunkt meines Besuches in dieser Anlage stand die Sonne schon hoch am Horizont und es war brütend heiß. Ich lief staunend durch die ehemaligen Räume des Tempels, immer verfolgt von den zahlreichen riesigen Steingesichtern. Für mich war Angkor Thom eines der Highlights meines Tages in der Anlage von Angkor. Nach Ende meiner Besichtigung war ich dann aber auch so kaputt, dass sich auch mein Tag in Angkor dem Ende neigte. Ein Tag voller Eindrücke, die erstmal verarbeitet werden mussten.

Relief Angkor WatNützliche Informationen für deinen Besuch in Angkor Wat

  • Angemessene Kleidung: Angkor Wat ist eine religiöse Pilgerstätte. Der Besuch erfordert daher auch angemessene Kleidung. Übersetzt heißt das: lange Hosen und bedeckte Schultern. In kurzen Hosen und Shirt, darfst du die Anlage nicht betreten.
  • Tickets: Es gibt Tickets für einen, zwei oder drei Tage. Wenn du nur einen Tag Zeit hast, holst du dir die Tickets am besten bereits am Abend vorher – dann darfst du auch schon den Sonnenuntergang in Angkor erleben und stehst morgens nicht ewig an der Schlange. Die Drei-Tages-Tickets können an drei Tagen innerhalb einer Woche eingelöst werden, die nicht nacheinander liegen müssen. Nach diesen Tickets musst du aber extra fragen.
  • Tuktuk-Route: wie oben beschrieben empfehle ich dir die Standard-Route ein wenig abzuwandeln um den Touristenmassen zu entgehen. Heißt: erst Angkor Wat, dann Ta Prohm und im Anschluss Angkor Thom.
Karina

Karina

Karina ist 30 Jahre alt und lebt in Leipzig.
Tauchen, Reisen und Bloggen sind ihre großen Leidenschaften. Wann immer es möglich ist, erkundet sie die Welt und berichtet auf Zauberhaftes Anderswo von ihren zahlreichen Erlebnissen.
Karina

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